{"id":950,"date":"2026-08-19T22:40:41","date_gmt":"2026-08-19T22:40:41","guid":{"rendered":"https:\/\/eaf-pfalz.de\/?p=950"},"modified":"2026-08-19T22:46:36","modified_gmt":"2026-08-19T22:46:36","slug":"zwischenruf-der-agf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eaf-pfalz.de\/?p=950","title":{"rendered":"Zwischenruf der AGF"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Familien zahlen die Rechnung f\u00fcr die aktuelle Reformpolitik \u2013 Was ist der Plan, Bundesregierung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die in der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) zusammengeschlossenen Verb\u00e4nde kritisieren, dass die Bundesregierung offensichtlich den \u00dcberblick \u00fcber die Folgen ihrer Spar- und Reformpolitik f\u00fcr Familien verloren hat. W\u00e4hrend sie die unterschiedlichen Reformvorhaben in den einzelnen Ressorts weitgehend isoliert voneinander behandelt, droht die Vielzahl bereits umgesetzter und geplanter Einschnitte Familien finanziell und zeitlich erheblich zu belasten und die Vereinbarkeit von Sorgearbeit und Beruf weiter zu erschweren. Eine Betrachtung der kumulativen Auswirkungen der Reformvorhaben auf Familien fehlt bislang g\u00e4nzlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir fragen uns zunehmend: Was ist eigentlich der Plan der Bundesregierung? In verschiedenen Ministerien werden Reformen vorangetrieben, die jeweils nur f\u00fcr sich genommen begr\u00fcndet werden. Was in einzelnen Ministerien als begrenzte Ver\u00e4nderung erscheinen mag, summiert sich im Familienalltag zu einer erheblichen Gesamtbelastung. Familien erleben politische Entscheidungen nicht als einzelne Gesetzes\u00e4nderungen, sondern in ihrer Gesamtheit. Finanzielle Belastungen, erh\u00f6hte Erwartungen an die Erwerbst\u00e4tigkeit, steigende zeitliche Anforderungen, Engp\u00e4sse in Kitas, Schulen und Pflege sowie neue Vereinbarkeitsprobleme setzen Familien von mehreren Seiten unter erheblichen Druck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Reformpolitik verliert Familien aus dem Blick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einschnitte beim Elterngeld (nur noch 12 anstatt 14 Monate), Wohngeld, beim Unterhaltsvorschuss (nur noch bis zum 16. Lebensjahr) und bei der sozialen Sicherung von Kindern (z.B. Wegfall des Sofortzuschlags) treffen auf Reformvorhaben in der Pflege, darunter K\u00fcrzungen bei der rentenrechtlichen Anerkennung von Pflegezeiten. Hinzu kommen unklare Aussichten f\u00fcr die Unterst\u00fctzung von Kindern und Jugendlichen im SGB VIII und IV, auf l\u00e4ngere Arbeitszeiten und eine verpflichtende \u00e4rztliche Krankschreibung am ersten Tag. Gleichzeitig h\u00e4lt der Ausbau einer verl\u00e4sslichen und bezahlbaren familienunterst\u00fctzenden Infrastruktur f\u00fcr Ganztagsbetreuung und Pflege mit den wachsenden Anforderungen nicht Schritt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bundesregierung richtet ihren Blick stark auf eine Ausweitung des Arbeitskr\u00e4fteangebots, ber\u00fccksichtigt aber nicht, unter welchen Bedingungen Menschen mit Sorgeverantwortung \u00fcberhaupt erwerbst\u00e4tig sein k\u00f6nnen. Kinder m\u00fcssen betreut, pflegebed\u00fcrftige Angeh\u00f6rige versorgt werden. Diese gesellschaftlich notwendige Arbeit verschwindet nicht dadurch, dass die Anforderungen des Arbeitsmarktes steigen. Im Gegenteil: Durch fehlende Investitionen in eine entsprechende Infrastruktur wird famili\u00e4re Care-Arbeit noch wichtiger. Und gleichzeitig ist gelingende Care-Arbeit eine Grundlage f\u00fcr eine funktionierende Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mehr Druck schafft nicht automatisch mehr Erwerbsarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hoffnung, durch finanzielle Einschnitte zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4fte zu mobilisieren, k\u00f6nnte sich als Trugschluss erweisen. Neue Vereinbarkeitsprobleme k\u00f6nnen gerade bei M\u00fcttern und pflegenden Angeh\u00f6rigen dazu f\u00fchren, dass vollzeitnahe Besch\u00e4ftigung schwieriger statt leichter wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer das Arbeitskr\u00e4ftepotenzial erh\u00f6hen will, muss die Voraussetzungen daf\u00fcr schaffen, dass Menschen mit Sorgeverantwortung tats\u00e4chlich mehr arbeiten k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt auch eine funktionierende Gleichstellungspolitik, damit Sorgeverantwortung nicht mehr \u00fcberwiegend auf M\u00fcttern lastet, sondern partnerschaftlich zwischen den Eltern verteilt wird. Mehr finanzieller Druck und l\u00e4ngere m\u00f6gliche Arbeitszeiten ersetzen weder einen Kitaplatz noch eine verl\u00e4ssliche Ganztagsbetreuung oder eine funktionierende Pflegeinfrastruktur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fehlen diese Voraussetzungen, reduzieren Familien oftmals notgedrungen ihre Erwerbsarbeitszeiten. Was kurzfristig die Vereinbarkeit erleichtert, f\u00fchrt langfristig zu geringeren Einkommen und Rentenanspr\u00fcchen, insbesondere wenn die Besch\u00e4ftigung als Minijob ausge\u00fcbt wird. Besonders widerspr\u00fcchlich ist vor diesem Hintergrund, gleichzeitig die rentenrechtliche Absicherung von Pflegezeiten einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Belastungen reichen bis weit in die Mitte der Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reformen treffen alle Familienformen bis weit in die gesellschaftliche Mitte und versch\u00e4rfen zugleich bestehende soziale Ungleichheiten. Familien mit niedrigen Einkommen verf\u00fcgen \u00fcber weniger Reserven, um Leistungsk\u00fcrzungen auszugleichen. Alleinerziehende und Familien mit umfangreichen Pflegeaufgaben sind aufgrund ihrer besonderen Vereinbarkeitssituation zus\u00e4tzlich belastet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die AGF begr\u00fc\u00dft die geplanten Erh\u00f6hungen von Kindergeld und Kinderfreibetrag. Hierbei handelt es sich jedoch um gesetzlich vorgeschriebene Erh\u00f6hungen, die nur die Inflationsrate ausgleichen sollen und nicht ausreichen, um die beschriebenen Belastungen abzufedern. Hinzu kommt, dass viele Familien von einer Erh\u00f6hung des Kindergeldes gar nicht profitieren, weil sie direkt mit SGB II Leistungen oder dem Unterhaltsvorschuss verrechnet werden. Somit werden Familien weiterhin abh\u00e4ngig vom Einkommen unterschiedlich stark entlastet. Die AGF fordert eine Anhebung des Kindergeldes auf die maximale Entlastungswirkung des Kinderfreibetrags. Auch das Existenzminimum von Kindern muss neu berechnet und konsequent an ihren spezifischen Bedarfen f\u00fcr ein gutes Aufwachsen und gesellschaftliche Teilhabe ausgerichtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AGF fordert systematische Unterst\u00fctzung f\u00fcr Familien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die AGF fordert die Bundesregierung auf, ihre Reformvorhaben nicht l\u00e4nger isoliert zu betrachten und zu legitimieren. Notwendig ist eine ressort\u00fcbergreifende Ent- statt Belastungsstrategie f\u00fcr Familien, die finanzielle Auswirkungen ebenso ber\u00fccksichtigt wie Folgen f\u00fcr Zeitbudgets, Gleichstellung, die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit und die soziale Absicherung. Haushaltskonsolidierung und Sozialstaatsreform d\u00fcrfen nicht zu Lasten von Familien gehen. Werden Leistungen eingeschr\u00e4nkt, Erwerbsanforderungen erh\u00f6ht und gleichzeitig die \u00f6ffentliche Infrastruktur nicht ausreichend gest\u00e4rkt, werden Belastungen und Risiken vom Staat auf die Familien verlagert und damit ihr Armutsrisiko erh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Familien \u00fcbernehmen mit der Erziehung von Kindern und der Pflege hilfebed\u00fcrftiger Angeh\u00f6riger einen unverzichtbaren Teil gesellschaftlicher Sorgearbeit. Politik muss dies anerkennen und die Rahmenbedingungen schaffen, damit Sorgearbeit und Erwerbst\u00e4tigkeit miteinander vereinbar sind. Das ist bereits jetzt ohne die aktuelle Spar- und Reformpolitik der Bundesregierung eine Herausforderung f\u00fcr viele Familien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Bundespolitiker:innen die niedrigen Geburtenraten bedauern, w\u00e4hrend sie gleichzeitig die Familien von allen Seiten belasten, handeln sie widerspr\u00fcchlich. Investitionen in Familien und Kinder sind keine konsumtiven Ausgaben, sondern Investitionen in die Zukunft der Gesellschaft. Ausgerechnet hier die Grundlage f\u00fcr eine Haushaltskonsolidierung zu legen, bedeutet, die Kosten auf morgen zu verschieben und zu vergr\u00f6\u00dfern: Die AGF fordert die Bundesregierung deshalb auf, ihre kurzsichtige Spar- und Reformpolitik zulasten von Familien zu beenden. Andernfalls werden die heute vermeintlich eingesparten Kosten morgen von der gesamten Gesellschaft zu tragen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das PDF des Zwischenrufs finden Sie <strong><a href=\"https:\/\/www.eaf-bund.de\/sites\/default\/files\/2026-08\/260812_AGF-Zwischenruf_Kumulative_Belastungen_Familien.pdf\">hier<\/a><\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Familien zahlen die Rechnung f\u00fcr die aktuelle Reformpolitik \u2013 Was ist der Plan, Bundesregierung? 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